Vom Wald das Beste. – Nationalparkregion Bayerischer Wald
Vom Wald das Beste: Gitarrenbauer Helmut Frisch aus Schönberg

Vom Wald das Beste

Vom Wald das Beste: Gitarrenbauer Helmut Frisch aus Schönberg

Kirchberg. Kürzlich hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Eigentlich der richtige Zeitpunkt, um etwas kürzer zu treten, die schönen Seiten des Lebens zu genießen und einfach in den Tag hinein zu leben. Zumal Helmuth Frisch ein intensives sowie teils nervenaufreibendes Berufsleben als Elektro-Ingenieur und Inhaber der Firma Sesotec hinter sich hat.

Doch der zweifache Familienvater aus Kirchberg (Gemeinde Schönberg) ist keiner, der sich auf die faule Haut legt. Im Gegenteil. Er liebt die Herausforderungen, setzt sich immer wieder neue Ziele – und ist gleichzeitig ein Mensch, der auf seine Intuition baut und gewisse Dinge auf sich zukommen lässt.

Und da sind wir auch schon bei der Gitarre angelangt. Die Musik spielte im Hause Frisch schon immer eine tragende Rolle. In der Nachkriegszeit war das gemeinsame Musizieren in den Abendstunden sowie an Sonn- und Feiertagen die einzige Abwechslung im eher tristen, von Arbeit geprägten Alltag. Die Familienmusiker hatten sogar mehrere regionale Auftritte - spielten vor allem bei Heimatabenden. Momente, an die sich der 70-Jährige gerne erinnert: "Ich glaube, in der heutigen Zeit wäre so eine schöne Kindheit gar nicht mehr möglich."

Trotz vieler behaglicher Stunden im Familienrahmen zog es den gebürtigen Lamer nach der Schulzeit schnell hinaus in die Welt.

"Ich glaube, in der heutigen Zeit wäre so eine schöne Kindheit gar nicht mehr möglich."

Heutzutage eine ganz normale Erfahrung, die viele junge Leute sammeln dürfen. Damals eine Besonderheit, zumal die "Häusler"-Familie Frisch finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet war - und den jungen Mann als Arbeitskraft sowie zusätzlichen Verdiener gut hätte gebrauchen können. Bereits zu jener Zeit kristallisierten sich seine Hartnäckigkeit und sein Ehrgeiz als wesentliche Charakterzüge heraus.

"Ich habe mir - egal was - alles selber und hart erarbeiten müssen. Zum Beispiel wurde ich für meinen Fleiß mit der Begabtenförderung belohnt, sodass ich die Mittelschule in Furth im Wald besuchen durfte.

Dorthin musste ich jedoch bei Wind und Wetter zu Fuß gehen", blickt Helmuth Frisch zurück.

Schon damals erkannten seine Eltern, dass körperliche Arbeit nicht alles ist - und eine gewisse Schulbildung das Grundgerüst für ein besseres und sorgenfreieres Leben liefern kann. Und da der Bayerwälder sich bereits früh als Tüftler betätigte und sich für elektrotechnische Zusammenhänge interessiert hatte ("Ich habe Fachbücher regelrecht verschlungen"), stand relativ schnell fest, welchen beruflichen Weg er einschlagen möchte: den des Elektro-Ingenieurs. "Damals wurden die Grundvoraussetzungen geschaffen für die Digitalisierung, die aktuell stattfindet. Eine hochinteressante Geschichte - faszinierend."

"Eine hochinteressante Geschichte - faszinierend."


Auf die berufliche Karriere von Helmuth Frisch näher einzugehen, benötigt aufgrund ihres Umfangs viel Zeit. Nur so viel: Über den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr kurz vor der 68er Bewegung, der damit verbundenen Hochschulreform sowie einem Studium beim "Barras" landete der Waidler zunächst als Nachrichtentechniker in Nürnberg. Die Wirtschaftskrise Mitte der 70er führte Helmuth Frisch dann zurück in die Heimat.

Ein scheinbarer Rückschritt, der sich zum Glücksfall entwickeln sollte: Der Akademiker landete bei einer kleinen Firma in der Nähe von Schönberg namens "S+S". Über Umwege machte der findige Geschäftsmann aus diesem Acht-Mann-Betrieb ein weltweit agierendes Unternehmen. Aus "S+S" wurde Sesotec, Spezialist für Fremdkörperdetektion und Materialsortierung.
Im Zusammenhang mit derartigen wirtschaftlichen Entwicklungen spricht man gerne von einer sog. Erfolgsgeschichte. Manchmal zu Unrecht, manchmal verdientermaßen. Den Namen Helmuth Frisch darf man sehr wohl mit diesem Begriff in Verbindung bringen. Freilich hatte der 70-Jährige oft einfach auch das nötige Glück. Der Zufall schien ihm ein treuer Begleiter zu sein.

Doch ebenso trug er selbst mit seinem Ehrgeiz, seinem nimmermüden Streben nach Wissen und seinem Erfindergeist dazu bei, dass das Sesotec inzwischen zu denjenigen Unternehmen in der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald gehört, die am meisten Mitarbeiter beschäftigen.

Helmuth Frisch berichtet zwar gerne von seiner Vergangenheit, aber noch viel lieber von seiner Zukunft, seinen Zielen, den anstehenden Herausforderungen. Klar, jetzt im Rentenalter bleibt mehr Zeit für Hobbys - und dazu gehört seit jeher die Musik - besser gesagt: die Gitarrenmusik. Doch hierbei von einer lockeren Nebenbeschäftigung zu sprechen, kommt im Falle des Kirchbergers einer Beleidigung gleich. Wenn er etwas macht, dann richtig - mit Haut und Haar und vollem Einsatz.

"Und schon hatte ich eine neue Beschäftigung"

"Irgendwie wusste meine damalige Sekretärin von meiner Leidenschaft für Gitarren. Deshalb habe ich bei meinem Abschied einen Gutschein für einen Gitarren-Baukurs bekommen. Und schon hatte ich eine neue Beschäftigung", erzählt Frisch und schmunzelt. Trotz seines bereits fortgeschrittenen Alters wirkt der 70-Jährige agil und voller Energie. Seine Begeisterung, kombiniert mit seinem nicht enden wollenden Wissensdurst, scheinen die Antriebsfeder für jene Umtriebigkeit zu sein - wobei wir wieder bei den Zielen und Herausforderungen angelangt wären.

Der Gitarrenbau ist - neben seiner Familie - mittlerweile zum neuen Lebensinhalt geworden. Noten statt Bilanzen, Hölzer statt Kabel, Saiten statt Seiten - der Übergang von der ehemaligen zur neuen Leidenschaft verlief fließend. Eine größere Erholungsphase nach dem Arbeitsleben gab es nicht - wer rastet, der rostet. Zugegeben: So ganz stimmt das nicht.

 

Gemeinsam mit seiner Frau reist Helmuth Frisch gerne durch die Lande - aber nicht zu lange. Denn die Pflicht ruft, genauer gesagt seine Gitarrenbau-Werkstatt. Diese befindet sich im eigens dafür umgebauten alten Feuerwehrhaus des kleinen Dörfchens Kirchberg.

"Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, ziehe ich diese durch."

An Werktagen ist der 70-Jährige von frühmorgens bis oft spätabends dort anzutreffen. Und dann wird konzentriert an neuen Instrumenten gewerkelt. "Ich habe mir in meinem Leben insgesamt vier gute Gitarren gekauft. Doch auch bei diesen Instrumenten habe ich mich gefragt: Warum sind sie nicht lauter? Das wollte ich ändern. Auch deshalb habe ich mich dazu entschlossen, selber tätig zu werden", berichtet er.

Sein Tüftler-Gen dringt durch, damals wie heute. Einige handwerkliche Kniffe hat er sich bei anderen Instrumentenbauern abgeschaut, viele Entwicklungen sind jedoch die Folge von etlichen Trial-and-Error-Versuchen.Helmuth Frisch arbeitet mit unterschiedlichsten Hölzern, die sowohl aus hiesigen Wäldern sowie tropischen Gefilden stammen. Er spannt die Saiten mit verschiedenen Längen und variiert auch bei den Stegen je nach Lust und Laune.

Im Vordergrund steht dabei einzig und allein das Lust-Prinzip - der Drang nach Perfektion mit der Vorahnung, dass er diese wohl nicht erreichen wird. "Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, ziehe ich diese durch. Auch im Wissen, dass sich bis zum Erreichen des Ziels wieder irgendein Faktor verändert wird", beschreibt er seine allgemeine, nicht nur in der Gitarren-Werkstatt gültige Vorgehensweise.

Einige seiner Gitarren, die unter dem klangvollen Label "Guitar-Sound-Design" laufen, hat der Kirchberger bereits verkauft - allerdings zu einem Preis, der lediglich die laufenden Kosten deckt. "Auf dem Profit liegt nicht mein Hauptaugenmerk. Außerdem trenne ich mich nur sehr ungern von einer meiner Gitarren." Ein klein wenig Selbstverliebtheit darf dann eben doch auch sein. Man sieht es dem Waidler nach, der sehr emphatisch wirkt und ein interessanter Gesprächspartner ist.

"Die schönsten Jahre kommen noch."

Helmuth Frisch hat als langjähriger Wirtschaftsvertreter und jetziger Kultur- bzw. Musikliebhaber den Woid mit all seinen Standortvor- und -nachteilen stets im Auge. Überzeugt stellt er fest: "Unsere Region hat sich gemacht. Wir haben uns selber aus dem Dreck gezogen. Viele sogenannter Hidden Champions sind hier entstanden. Viele Waidler haben den Anspruch, zu den Besten zu gehören – was sie auch tun." Eine wahre Lobeshymne. Der 70-Jährige gerät kurz ins Schwärmen – etwas, das nicht so recht zum überzeugten Realisten passen mag.

Allzu lange will er sich dann auch nicht mit derartigen Themen aufhalten. Die Arbeit ruft, die nächste Herausforderung wartet. Der hobbymäßige Vollzeit-Handwerker hat das nächste Ziel in Form einer neuartigen Gitarre vor Augen - mehr will er nicht verraten. Betriebsgeheimnis, wie er sagt. Helmuth Frisch ist überzeugt: "Die schönsten Jahre kommen noch."