Vom Wald das Beste. – Nationalparkregion Bayerischer Wald
Vom Wald das Beste: Alexander Hertel

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Vom Wald das Beste: Alexander Hertel

Zwiesel/Lindberg. Auf 22 Quadratmetern lebt Alexander Hertel momentan. Eine Fläche, die Küche, Bad, Wohnzimmer sowie ein Schlaf-Loft umfasst. Ihm ist es "ehrlich gesagt zu groß". Aus diesem Grund wolle er sein "Tiny-House" auch möglichst bald wieder loswerden. Um sich ein neues, kleineres zu bauen. Dass er "grundsätzlich eher minimalistisch veranlagt" sei, will der 23-Jährige nicht bestreiten.

Den Titel "Hausbesitzer" können sich mit 23 auch nur die wenigsten auf die Fahne schreiben. Das mag wohl auch daran liegen, dass sein Motto "Einfach machen" nicht nur so daher gesagt ist. Wenn Hertel sagt, er macht etwas, dann macht er etwas. Und zwar große Dinge, wenn auch auf kleinem Raum...

Dass er im Sommer 2018, als 22-Jähriger, in Lindberg sein eigenes Haus bezog, sei eigentlich "nur eine logische Konsequenz" gewesen. Mehrmals habe er die Wohnung gewechselt, immer wieder mal Probleme mit Vermietern gehabt. Und jeden Monat aufs Neue Miete zu zahlen, war mit seinen Vorstellungen auch nicht so ganz kompatibel. "Dieses Geld", habe er sich damals gedacht, "kann ich auch besser anlegen". Doch realistisch betrachtet sei es in so jungen Jahren freilich nicht so ganz einfach, ein eigenes Haus zu bauen.

"Dieses Geld kann ich auch besser anlegen."

Auf einer seiner Reisen mit dem Camper durch Europa ist im aufgefallen, dass er auf einer kleinen Wohnfläche ohnehin sehr gut zurecht kommt. Warum also ein großes Haus errichten, wenn auch eine Nummer kleiner ausreicht? Die Idee mit dem Tiny-House lag daher nicht  fern: klein, minimalistisch - und mietfrei. Im Februar 2018 begannen seine Überlegungen fürs zukünftige Eigenheim konkreter zu werden: Übers "Internet" - für Hertel eine Bedienfeld mit Lösungsansätzen für nahezu jedes Problem - habe er sich zunächst informiert.

Die Idee mit den "winzigen Häusern" hatte vor allem in den USA ihre Vorreiter: Einerseits sind es ökologische Überlegungen, andererseits - besonders in Folge der Finanzkrise 2007 - ökonomische Notwendigkeiten, die Menschen jenseits des Atlantiks im Kleinformat wohnen lassen. Wobei weniger nicht immer gleich weniger bedeutet.

 

Auch in Deutschland existieren bereits seit mehreren Jahren Exemplare der transportablen Mini-Häuser. Sogar einige "Tiny-House-Villages" gibt es bereits, etwa im Fichtelgebirge. Und in Hannover soll bis 2025 ein Öko-Village entstehen - mit bis zu 1.000 Bewohnerinnen und Bewohnern. Von diesen Vorläufern ließ sich auch Hertel inspirieren.
Er entwarf sein eigenes Konzept. Und begann zu bauen. Nicht, dass der 23-Jährige so etwas wie Bauarbeiter, Architekt oder Ingenieur wäre. Seine Brötchen verdient er als Physiotherapeut. Doch das Handwerk interessiert ihn seit jeher. Schon als Achtjähriger habe er mit der Stichsäge hantiert. Den Rest konnte er dann eben "im Internet" nachrecherchieren. Und zuletzt hat er noch "die richtigen Leute gefragt", wie Zimmerer und Installateure etwa.

"Man nimmt Holz und schraubt's zusammen."

Vier Monate hat es gedauert, bis Hertel sein Tiny-House in Lindberg beziehen konnte, das erste seiner Art im Bayerischen Wald. Wie denn der Prozess so abgelaufen sei? "Man nimmt Holz und schraubt's zusammen". Und das mit der Elektrik? "Wenn man nicht farbenblind ist, geht das auch ganz gut". Wenn man Hertel so reden hört, klingt es, als sei ein Hausbau das reinste Kinderspiel: Stichsäge hier, Hammer dort, schrauben, bohren, zusammennageln - fertig. Und zwischendurch vielleicht nochmal kurz "im Internet" nachschauen.

Die einzig große Herausforderung sei die Wasserinstallation gewesen, gibt Hertel zu. Denn so minimalistisch sein Haus auch veranlagt sein mag: Es braucht Wasser und Strom. Ersteres bekommt er - ganz gewöhnlich - vom Wasseranschluss der Gemeinde. Letzteren mit Photovoltaik-Anlagen auf seinem Dach. Offiziell gilt sein Haus daher als "Gebäude" - auch wenn es auf Rädern steht.

Das mit der Baugenehmigung sei dann auch kein Problem gewesen, denn alles unterhalb einer Größenordnung von 75 Kubikmetern könne in Bayern nämlich ohne Genehmigung umgesetzt werden.

"Halleluja, jetzt fällt mir das Haus um."

Seine hölzerne Kreation hat sich bisher als standhaft erwiesen - selbst im rauen Zwieseler Winter. Selbst bei 18 Grad unter Null. Als einmal die Windböen mit 90 km/h durch die Siedlung pfiffen, dachte er sich nur: "Halleluja, jetzt fällt mir dann das Haus um." Das sei dann "doch ganz ordentlich gewesen". Passiert ist jedoch nichts.

Aktuell denkt Alexander Hertel über eine ganze Tiny-House-Siedlung nach. Er habe da auch schon eine Fläche in der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald im Blick. Konkreteres gibt es dazu jedoch noch nicht zu berichten. Übers Crowdfunding finanziert, so könnte er sich das vorstellen, kauft man ein größeres Grundstück, auf welchem sich dann ausschließlich die Häuser im Miniformat ansiedeln.

Autark und als Selbtsversorger

Vielleicht auch im Sinne einer Community - autark und als Selbstversorger. Aber das sei nicht so wichtig. Hauptsächlich gehe es ihm darum, "eine schöne Gemeinschaft" zu haben. So in zwei bis drei Jahren solle das Projekt dann etwas greifbarer werden, sagt er.

 

Ja, diesen Spitznamen hatte ich auch schon

Derzeit hat Hertel jedoch noch ein anderes Vorhaben am Start. Da sein eigenes, 22 Quadratmeter messendes Haus bereits "eines der größeren Kategorie" sei, wolle er ein Kleineres bauen - ganz getreu seiner minimalistischen Lebensmaxime. Aktuell hilft er noch ein paar Kollegen beim Bau ihres Tiny-Houses, die Expertise bringe er ja mittlerweile mit.

Danach wolle er dann sein eigenes, noch kleineres Mini-Heim in Angriff nehmen. Und wer beim Lesen dieser Zeilen beständig das "Löwenzahn"-Gesicht von Peter Lustig vor Augen hat: "Ja, den Spitznamen hatte ich auch schon."