Vom Wald das Beste: Architekt Josef Stöger aus Schönberg

Baumwipfelpfad Bayerischer Wald

Schönberg. Es war ein Mammutprojekt, das ihn vor eine große Herausforderung stellte, die er letztlich aber mit Bravour meistern konnte. Es ist "sein" Meisterwerk, das ihn zu einer kleinen regionalen Berühmtheit werden ließ.

Er hat damit nicht nur der Ferienregion Nationalpark Bayerischen Wald eine weitere Attraktion geschenkt, sondern auch seinen eigenen Betrieb auf ein neues Niveau gehoben. Vor knapp zehn Jahren wurde der Neuschönauer Baumwipfelpfad samt „Baum-Ei“ von Josef Stöger konstruiert, die Umsetzung seiner Idee hat der Schönberger federführend begleitet.

Ein Projekt, das als Höhepunkt seines Lebenswerks betrachtet werden darf - nicht nur beruflich, sondern auch privat.

Jenes weitum bekannte Status-Symbol des Bayerischen Waldes vereint die beiden Leidenschaften des 66-Jährigen wie kein anderer seiner Aufträge. Einerseits ist der Baumwipfelpfad eine architektonische Leistung, die Josef Stöger all sein Können abverlangte - und die ihn, den ansonsten recht bescheidenen Charakter, seit der Fertigstellung mit Stolz erfüllt.

Andererseits konnte der Schönberger mit diesem Bauwerk seine nahezu bedingungslose Liebe zu seiner Heimat, der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald, für alle sichtbar machen. "Ja, das stimmt schon, wir haben ein Wahrzeichen für den Bayerwald geschaffen", stellt Stöger beinahe beiläufig fest.
Der Schönberger ist kein Mann der großen Worte. Er spricht, wenn es um den Baumwipfelpfad geht, immer in der Wir-Form, unterstreicht somit die Arbeit seines gesamten Teams. Im Gespräch gibt sich der 66-Jährige eher wortkarg, ruhig, fast leise. Der große Unterhalter ist der Architekt nicht. Ein Charakterzug, den ihm Unwissende vielleicht als Arroganz auslegen könnten.

Wir haben ein Wahrzeichen für den Bayerwald geschaffen

Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Josef Stöger ist ein bodenständiger Typ, der sich nur ungern im Mittelpunkt wähnt - und der sich Zeit seines Lebens für seinen Heimatort und den Bayerwald eingesetzt hat. Ein Blick auf seine Biographie bestätigt dies.
Geboren im Deggendorf der Nachkriegsjahre, zog die Familie Stöger Mitte der Fünfziger nach Schönberg, um dort eine Bäckerei zu übernehmen. Seine Eltern waren fast rund um die Uhr damit beschäftigt, den eigenen Betrieb voranzubringen.

"Man wurde damals nicht so verhätschelt wie heute manche Kinder. Dennoch war es eine glückliche Zeit, die ich nicht missen möchte", erinnert er sich. Im Gegensatz zu vielen anderen Familienunternehmen stand jedoch von vorneherein fest, dass er die Bäckerei einmal nicht übernehmen und weiterführen müsse. Die Eltern legten von Beginn an großen Wert auf eine qualifizierte Ausbildung ihres Sohnes.

Deshalb besuchte der junge Bub von der 5. Klasse an das Gymnasium in Passau und später die Fachoberschule, wohnte während der Woche im Schülerheim. Eine Zeit, an die er sich nur ungern zurückerinnert. Auf die Gründe dahinter will der Architekt nicht weiter eingehen. "Mir war immer klar, dass es ein Privileg ist, diese Schule besuchen zu dürfen. Ich wollt es meinen Eltern nicht antun, dass ich die Schule wechsle. Alles andere ist inzwischen nebensächlich." Für Josef Stöger war Passau nur Mittel zum Zweck. Sein Herz blieb stets dem Woid verhaftet. "Ich war immer glücklich, wenn ich am Freitag von Gumpenreit aus Schönberg erblickte."

Seine Liebe zur Heimat beruhte jedoch nicht nur auf einem engen Verhältnis zu seinen Eltern, sondern vor allem auf der Begeisterung für das Miteinander in dem kleinen Bayerwalddorf. "Die Gegend ist einfach wunderschön, zudem bin ich ein richtiges Landei. Vor allem Vereine sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Und deshalb war mir klar, dass ich mich engagieren und etwas zurückgeben möchte." Die Verbundenheit zu Schönberg - ein Thema, bei dem selbst bei Josef Stöger die Worte zu sprudeln beginnen…

Ja, dieser Beruf hat mir daugt

Als Gründer, Abteilungsleiter und Trainer der Sparte Volleyball beim TSV Schönberg, an dessen Vereinsspitze er 13 Jahre stand, genauso als Gemeinderat (1996 bis 2014) hatte er stets ein offenes Ohr für seine Sportler und seine Bürger. Ein Ehrenamtler mit Vorbildcharakter. "Es ist für mich einfach unvorstellbar, zum Beispiel in München anonym leben zu müssen", sagt er mit Nachdruck.
Zum einen war es die Angst davor, irgendwann in der „grauen Masse“ einer Großstadt unterzugehen, zum anderen die Faszination für Gebäude, das Malen und das Zeichnen, die ihn Mitte der Siebziger dazu veranlassten, in Regensburg Architektur zu studieren.

"Ja, dieser Beruf hat mir daugt - aber ihn als Traum zu bezeichnen, das geht zu weit." Nachdem er in Passau erste Berufserfahrungen gesammelt hatte, machte sich Josef Stöger am 1. Januar 1981 als Architekt in Schönberg selbstständig. Aus dem einstigen Ein-Mann-Betrieb ist inzwischen ein Büro mit zehn Mitarbeitern geworden. Seine Tochter steht in den Startlöchern, die neugegründete GmbH in absehbarer Zeit zu übernehmen.

Dieser Aufstieg sowie unterschiedliche Aufträge - von der Garage über Einfamilienhäuser bis zur Sanierung vieler Schulen im Landkreis Freyung-Grafenau - sind Beweis genug dafür, dass der 66-Jährige sein Handwerk versteht. Doch ist ein guter Architekt auch ein Künstler? immerhin ist in diesem Beruf viel Kreativität gefragt. "Nein, ganz so ist es nicht. Natürlich, bei den Ideen kann man eine Art Künstler sein. Doch meistens scheitert es an der Umsetzung. Projekte müssen kostenbewusst und technisch einwandfrei ausgeführt werden, das ist wichtiger", erklärt Josef Stöger dazu.

Oftmals nimmt er die Arbeit im Geiste mit nach Hause, grübelt tagelang über Gestaltungsmöglichkeiten und Nutzen der zu bearbeitenden Bauwerke. Dieses mentale Weiterarbeiten in der eigentlichen Freizeit stellt für den fünffachen Familienvater jedoch kein Problem dar. Er lebt und liebt seinen Beruf. Und aus diesem Grund wurde er auch damit beauftragt, den Baumwipfelpfad zu planen und zu bauen. Die Bauherren und Betreiber von der Erlebnis Akademie lernte Stöger kennen, als diese gemeinsam mit dem Gemeinderat den Kletterpark in Schönberg besichtigten.

"Dabei wurde mir zugetragen, dass man sich für die Umsetzung des Baumwipfelpfades bewerben kann - was ich dann auch gemacht habe." Um den Zuschlag zu bekommen, musste er jedoch in Vorleistung gehen und ein Grundkonzept ausarbeiten. Ein Risiko, das er gerne einging - und das sich offensichtlich auszahlte. Denn bei der Präsentation seiner Idee waren alle Beteiligten begeistert - "auch, wenn mein Vorschlag etwas teurer geworden ist".

Doch vor allem die Sicherstellung der Barrierefreiheit durch die Rampenbauweise am Baum-Ei gab letztlich den Ausschlag für Macher der Erlebnis Akademie, Josef Stöger zu engagieren.

Doch damit waren seine Schäfchen noch nicht im Trockenen - denn der Zeitplan war mehr als sportlich. "Bauantrag im Januar 2009, Baustart im Mai, Eröffnung im September - das ist eine sehr arbeitsintensive und aufregende Zeit gewesen. Aber es hat sich gelohnt", blickt der Schönberger zurück. Die Bestätigung, dass er gute Arbeit geleistet hat, bekam er nicht nur durch die Verleihung des Holzbaupreis‘ Bayern, sondern vor allem durch die Millionen von Touristen, die seit der Eröffnung den Wanderweg auf Baumkronen-Niveau besucht haben.

Seit 2009 hat Josef Stöger in Zusammenarbeit weitere neun Baumwipfelpfade realisiert - mit ähnlichen Erfolgen.
Vor allem aus touristischer Sicht ist der Baumwipfelpfad bzw. das Baum-Ei für den Bayerischen Wald ein enormer Zugewinn, ein Anziehungspunkt und Zugpferd für viele Interessierte aus Nah und Fern. Das weiß auch Josef Stöger - und dennoch sieht er „seinen Pfad" eher als Teil des Ganzen.

Die Wahrnehmung unserer Region ist positiver geworden

"Der Bayerische Wald wird mehr und mehr als lebenswerter Landstrich wahrgenommen - nicht nur von Touristen, sondern auch von Großstädtern, die hierher ziehen. Die Wahrnehmung unserer Region ist positiver geworden. Dennoch befürchte ich nicht überrollt zu werden." Der Schritt vom einstigen Massentourismus zu qualitativ hochwertigen Unterkünften sei in diesem Zusammenhang ein richtiger und wichtiger Entwicklungsschritt gewesen.

Verbesserungspotenzial sieht der Schönberger derweil noch in der Vermarktung. Bündnisse wie die Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald oder das Ilzer Land seien alternativlos, doch Stöger würde die Zusammenarbeit noch größer aufziehen.
"Warum ist es nicht möglich, den gesamten Woid von Cham bis Hauzenberg als eine Destination zu vermarkten? Das würde enorme Vorteile mit sich bringen."

Außerdem hat er es gern getan - für "seinen" Bayerischen Wald.

Egal, wie sich die Region um Lusen und Rachel in der nahen Zukunft entwickeln wird –  sicher ist: Der Baumwipfelpfad spielt dabei stets eine gewichtige Rolle. Auch Josef Stöger ist sich dessen bewusst, spricht es aber dennoch nicht aus. Er weiß um die Bedeutung von dem, was er geschaffen hat. Außerdem hat er es gern getan - für "seinen" Bayerischen Wald.


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