Vom Wald das Beste. – Nationalparkregion Bayerischer Wald
Vom Wald das Beste: Tommy Dötsch aus Lindberg

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Vom Wald das Beste: Tommy Dötsch aus Lindberg

Lindberg. Unterhält man sich mit Tommy Dötsch, kommt einem ein Wort ganz besonders häufig unter: "frei". Ganz egal in welcher Variante und Zusammensetzung. Ob als "Freiheit", "Freizeit", "Freiraum", "freie Kultur", "Befreiung" - oder eben in englischer Sprache in Form des Begriffs "Freestyle".

Nur wenig verwunderlich: Der 28-jährige Lindberger ist nicht einfach nur Sportlehrer, sondern "Sportlehrer im freien Beruf", wie die korrekte Bezeichnung lautet. Das "Format freiberuflich", so Dötsch, "passt für mich einfach sehr gut".

Im Endeffekt unterscheidet sich ein Sportlehrer im freien Beruf nicht gravierend von anderen Freiberuflern. Doch das Ausmaß an Bewegung und frischer Luft dürfte wohl etwas höher ausfallen als beispielsweise bei freien Journalisten oder freien Grafik-Designern. Auf Tommy Dötsch trifft das ganz besonders zu: Von Skate- und Longboarden über Inlineskaten bis hin zu Parcours und Slacklinen unterrichtet der 28-Jährige so gut wie alles.

"Alles, was a Gaudi macht!"

Oder wie er sagen würde: "Alles, was a Gaudi macht!"  Weg vom klassischen Fitness-Trainer will er Menschen zu Sport und Bewegung animieren - ganz egal, welcher Altersgruppe sie angehören. Und egal, ob im Winter oder im Sommer. Der Zwieseler ist Lehrer für Spaß, Freiheit und Unkonventionelles.

War er bereits in jungen Jahren auf Skateboard und Inlineskates unterwegs, ist es im Winter vor allem das Skifahren, das es Dötsch angetan hat. Das heißt: nicht einfach nur Skifahren - vielmehr Freeskiing. Schon als Sechsjähriger bekam er sein erstes Snowboard, mit 13 dann seine ersten Twintips. So nennt man die fürs Freeskiing typischen Bretter, die an beiden Enden "aufgebogen" sind. Damit lässt sich nicht nur rückwärts fahren, sondern auch über "Tables" springen und über "Railes sliden" - sprich: über überdimensionierte Schanzen und so etwas wie Treppengeländer.

Sportarten wie diese, erklärt Dötsch, hätten ihn schon immer angesprochen - "da gibt es kein Richtig und kein Falsch". Dafür umso mehr Freiraum und Adrenalin. Für einen, der nach eigenen Angaben ganz gerne mal seine persönlichen Grenzen austestet, ist dies die perfekte Sportart - ein "Spielplatz für Erwachsene" eben.

Nach seinem Abschluss im Jahr 2014 an der TU München als "staatlich geprüfter Sportlehrer im freien Beruf" fing er an, in der bayerischen Landeshauptstadt ein kleines Team an Freestyle-Fahrerinnen und Fahrern um sich zu formieren - seine "Crew". Was Dötsch dabei in die Karten spielte: 2014 war just genau das Jahr, in dem Freeskiing in den Reigen der olympischen Disziplinen aufgenommen wurde. Dies hatte zur Folge dass sich der Budget-Topf um einiges vergrößerte. Und das wiederum bedeutete, dass am CJD-Christopherusschulen Berchtesgaden plötzlich Geld für eine Stelle frei war - und Dötsch sich erfolgreich als Stützpunkttrainer der Freestyler bewarb.

Das liest sich nicht nur anstrengend - das ist es auch.

Unter seinen Schülerinnen und Schülern befand sich unter anderem Bayerwald-Botschafterin Aliah-Delia Eichinger aus Reichenberg in der Gemeinde St. Oswald-Riedlhütte, eine der großen Nachwuchshoffnungen im deutschen Freeskiing. Am CJD, einer der Eliteschulen in Sachen Wintersport, die unter anderem auch von Viktoria Rebensburg, Hilde Gerg oder Georg Hackl absolviert wurde, gehen die Jugendlichen ganz normal zur Schule - mit dem Unterschied, dass Trainer wie Dötsch die Möglichkeit haben, sie fürs Training vom Unterricht zu "befreien".

Drei Mal die Woche stand für drei Schüler seiner Schüler dann "Trockentraining" auf dem Plan, sogenanntes "Off-Snow-Training". Am Wochenende nahm er seine Schützlinge meistens mit auf die Piste bzw. in den Snow-Park zum Trainieren, etwa nach Flachau-Winkel. Die Zeit zwischen On- und Off-Snowtraining können die Youngsters zum Lernen und zur Erholung nutzen.

Das liest sich nicht nur anstrengend - das ist es auch.

Mit einem seiner Schützlinge fuhr er im Februar 2016 als Landestrainer nach Norwegen zu den Olympischen Jugendspielen in Lillehammer. Für Dötsch "eine ziemlich coole Erfahrung" - aber auch ein "sehr hohes Niveau". Mit dem 12. Platz sei man deshalb "auf alle Fälle" zufrieden gewesen.
Seitdem Freeskiing olympisch wurde, hat sich in der Sportart einiges gewandelt, erklärt der 28-Jährige. Das zeige sich zum einen auf der Piste selbst, wo immer mehr Menschen auf Twintips vom Gipfel ins Tal hinab fahren. Zum anderen sei auch die mediale Präsenz größer geworden - auch wenn man sich mit den alpinen "Klassikern" wie Slalom und Abfahrt noch lange nicht auf Augenhöhe befindet.

"Hier müsste man sich etwas überlegen"

Das Potenzial ist Dötsch zufolge jedenfalls vorhanden, schließlich sei das Freeskiing weitaus "spektakulärer als andere Sportarten". Man müsste vielleicht ein passendes Fernsehformat finden, um dieses Spektakel auch an die Zuschauer daheim am Bildschirm entsprechend vermitteln zu können. Ein Vergleich zum Slalom hilft: Selbst unkundiges Publikum kann anhand der Zeitmessung ablesen, welcher Fahrer nun besonders schnell und welcher eher mäßig unterwegs war. Welcher Sprung besonders elegant gelungen ist, sei für Neulinge jedoch eher schwierig auszumachen. "Hier müsste man sich etwas überlegen", meint Dötsch.

"Du bringst an Waidler aus'm Woid, aber an Woid net aus'm Waidler"

Nach einer Saison am CJD verschlug es den Lindberger dann wieder zurück in seine ehemalige Wahlheimat München, wo er bis August 2018 wohnhaft blieb. Solange also, bis er schließlich wieder ganz in den Woid heimkehrte. Warum dieser Schritt? Einerseits aus familiären Gründen - und andererseits: "Du bringst an Waidler aus'm Woid, aber an Woid net aus'm Waidler". Ganz einfach. Auch München, die "Big City", habe etwas für sich, derzeit sei er aber "froh wieder ein Land-Ei zu sein". Die Sehnsucht nach "Bäumen, Freunden, Familie und Ruhe" war letztlich doch größer als jene nach dem Treiben der Großstadt.

Was er sich für die Zukunft wünscht? Ungefähr das, was er ohnehin schon die ganze Zeit über gemacht hat: Menschen für Sport und Bewegung begeistern. Vor allem Kinder und Jugendliche. Mit den derzeitigen Entwicklungen in Sachen Smartphone-Konsum, mit Instagram und Co., hat Dötsch so seine Probleme. Kinder, "die sollen rausgehen", sagt er. "Raus in die Natur." Ganz egal, ob sie dabei Skaten, Bouldern oder Parcours laufen. Ganz nach seinem persönlichen Motto eben: "Hauptsache es macht Spaß!