Vom Wald das Beste. – Nationalparkregion Bayerischer Wald
Woid G'sichter: Thomas Gut

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Woid G'sichter: Thomas Gut

Es hat gerade wieder einmal geregnet - wie so oft in diesen Frühsommertagen. Kleine Pfützen verteilen sich auf dem Boden, das Gras ist ordentlich durchtränkt, der Untergrund matschig. Während viele bei diesen nasskalten Bedingungen gerne zur Jacke greifen und festes Schuhwerk bevorzugen, genießt Thomas Gut jene Widrigkeiten in vollen Zügen - mit T-Shirt, kurzer Lederhose und barfuß. Der 60jährige ist jedoch nicht deshalb so unterwegs, weil er ein Zeichen setzen möchte oder auffallen will, sondern weil er diese Art zu leben als seinen ganz persönlichen Luxus betrachtet: Nämlich das zu machen, auf das er gerade Lust hat.

Markenzeichen Rauschebart

Er ist ein Naturbursche, will Tiere und Pflanzen hautnah erleben. Nicht ohne Grund wird er von seinen Bekannten als "Waldschrat" bezeichnet – was ihn wiederum amüsiert und er sogar zu Marketing-Zwecken nutzt. Thomas Gut ist aber auch Geschäftsmann, der in der Tourismusbranche sein Geld verdient.

Die Kleidung ist dabei nicht sein einziges Wiedererkennungsmerkmal. Das wird einem beim ersten Anblick ohne Umschweife deutlich. Ein Rauschebart und lange Haare sind seit langer Zeit sein Markenzeichen - genauer gesagt seit 1988. Seit nunmehr 32 Jahren lebt der gebürtige Stuttgarter in Flanitzmühle. Seitdem hat er eigenen Bekundungen zufolge weder Kopf- noch Barthaare getrimmt. "Ich weiß nicht warum, aber: Irgendwie wachsen die nicht mehr nach. Sie nutzen sich ab und bleiben immer gleich lang", erzählt er und lacht herzlich. Und schon sind wir bei einer weiteren Charaktereigenschaft des 60jährigen: Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, der offenbar nur gute Laune kennt. Der Wahl-Waidler ist zudem einer, der Geschichten erzählen kann - und dem man dabei regelrecht an den Lippen hängt.

Herbergsvater aus Leidenschaft

Thomas Gut ist einerseits jemand, der die Welt erkunden will. Ein Vagabund, den es immer wieder in die Ferne zieht. Fernab der Heimat ist er dann aber auf der Suche nach stillen Orten, die er meist auf Bergtouren findet. Er ist aber auch jemand, der es geradezu liebt, in der Einöde von Flanitzmühle zu leben. Umgeben von Wiesen und Wäldern zeichnet den Waldschrat eine außerordentliche, von Herzen kommende Gastfreundlichkeit aus. Es verwundert also nicht, dass er in seiner Rolle als Herbergsvater regelrecht aufblüht.

Im Rahmen der "Waldschrat Adventure Company" ist es Gästen möglich in das Leben eines Mushers - also in sein Leben – einzutauchen: Der Wahl-Frauenauer lebt mit knapp 60 Hunden, die er als Lebenspartner bezeichnet, zusammen. Der Metzgerssohn, der täglich sah, wie Tiere getötet und verarbeitet werden, sieht in den Vierbeinern Freunde fürs Leben. "Im Umgang mit den Huskys geht mir das Herz auf. Ich könnte sie den ganzen Tag lang beobachten."

Geradlinig geht es nicht

Auch sein beruflicher Werdegang fällt alles andere als linear aus. Obwohl sein Vater es nicht gerne sah, dass sein Sohn nicht in seine Fußstapfen trat, entschied sich Thomas Gut dafür Chemie zu studieren. "Das hat mich schon immer interessiert", erinnert er sich und erzählt, dass ihn seine Oma, die beim Spielwarenhersteller „Kosmos“ gearbeitet hat, immer mit Experimentierkästen versorgt und somit seine Karriere in die Wege geleitet hatte. Finanziert hat er sich seine Hochschul-Ausbildung selber - mit allerhand Jobs nebenher, darunter auch als Wander- bzw. Bergführer. Der gebürtige Schwabe schloss als Chemie-Ingenieur sein Studium ab und war im Anschluss in der Kunststoffchemie-Branche beschäftigt. In dieser Phase interessierte er sich jedoch immer mehr für Biologie.

Anstatt (künstliche) chemische Reaktionen zu initiieren, interessiert er sich mittlerweile für (natürliche) biologische Abläufe. Den Labor-Kittel hat er abgelegt. Barfuß ist viel schöner. Auf einem seiner langen Streifzüge auf Schneeskiern durch den Bayerischen Wald verliebte er sich in diese Gegend, in der er auf der Suche nach einem hundefreundlichen Domizil Jahre später per Zufall landete. "Mir ist bewusst, dass ich ein Mann der Extreme bin", gibt Thomas Gut zu. "Im Rückblick habe ich alles richtig gemacht, wie ich finde. Ich habe nichts bereut und möchte nicht mehr mit meinem früheren Leben tauschen."

Ferien unter Vierbeinern, mit Vierbeinern

Trotz aller Abenteurer-Romantik, trotz seines eher bescheidenen Lebens, in dem andere Luxus-Maßstäbe gelten als bei Ottonormalverbraucher, sind dem Frauenauer betriebswirtschaftliche Gedanken nicht fremd. "Klar, am liebsten würde ich den ganzen Tag mit meinen Hunden verbringen - und das Leben wäre prima. Dass das nicht geht, ist mir aber bewusst." So ergab sich eins nach dem anderen. Erst die Liebe zu den Hunden, dann eine geeignete Bleibe, dann noch mehr Huskys - und zu guter Letzt, um das Ganze auch finanzieren zu können, ein Adventure Camp. Abenteuer-Urlaub. Ferien unter Vierbeinern, mit Vierbeinern. "Ich möchte den Leuten deutlich machen, dass ein Husky nicht nur Schlittenfahren bedeutet, sondern mit viel Arbeit verbunden ist." Aus dem anfänglichen Versuch hat sich inzwischen ein Erfolgsmodell entwickelt. Die etwas andere Unterkunft ist so gut wie immer ausgebucht, auch in der Nebensaison.

 

"Im Umgang mit den Huskys geht mir das Herz auf. Ich könnte sie den ganzen Tag lang beobachten."

 

Die "Company", wie Thomas Gut seinen Betrieb nennt, agiert dabei völlig unabhängig von allgemeinen touristischen Trends und Ausrichtungen. Obwohl sich seine Husky-Farm inmitten der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald befindet, kocht der 60jährige sein eigenes Süppchen. Nicht aus Eigensinn, sondern weil seine Zielgruppe - so komisch dies klingen mag – genauso Typen wie ihn sucht.

In Offline-Zeiten machte Gut während seiner Teilnahmen an Schlittenhunde-Rennen mit Erfolg auf sich aufmerksam. "Und dann wurde das Internet zu einem großen Segen für mich." Das Glück des Tüchtigen: Offensichtlich gibt es eine nicht kleine Anzahl von Menschen, die auf diese Art von Urlaub, die man in Flanitzmühle machen kann, gewartet hat.

Sein Durchbruch auf dem touristischen Sektor sorgt dafür, dass er seine geliebten Hunde nur indirekt zu Geld machen muss. Der Verkauf von Tieren ist nicht nötig. Gott sei Dank, wie der Musher feststellt, denn: "Das würde mir das Herz brechen." Auch im täglichen Geschäft dürfen die Huskys einfach Huskys sein, weil die Gäste genau deswegen kommen. Und auch Thomas Gut darf einfach Thomas Gut sein, weil Charakterköpfe wie er schlichtweg überzeugen - in T-Shirt, mit kurzer Lederhose und barfuß.

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